E-Tourismus als Grundlage für die Entwicklung eines nachhaltigen nativen Tourismuskonzepts

 

Małgorzata Luc, Magdalena Tejwan-Bopp, Jacek B. Szmańda

 

1.      Einführung

 

In der heutigen Tourismusbranche als Wirtschaftszweig lassen sich dynamische Nachfrageentwicklungen beobachten, die den Einflüssen allgemeiner Trends unterliegen. Die Unterteilung des Tourismus in verschiedene Unterbranchen erfolgt grundsätzlich auf Basis der Umgebungsbedingungen, wirtschaftlichen Entwicklung, materiellen und kulturellen Gegebenheiten und der Traditionen der jeweiligen Zielländer oder -regionen. Deshalb sind in der Fachliteratur unterschiedliche Klassifikationssysteme anzutreffen. In diesem Text wird eine der einfachsten Unterteilungen als Ausgangspunkt für die weiteren Überlegungen zugrunde gelegt (nach xxxx – Abb. 1). Im Zuge der Analyse der Organisationsformen lassen sich zwei entgegengesetzte Tendenzen im Bereich Fremdenverkehr beobachten – der organisierte Massentourismus als Effekt der Globalisierung der Tourismuswirtschaft und der qualifizierte Individualtourismus, der sich am Ziel der nachhaltigen Entwicklung und des Öko-Tourismus orientiert.

In den letzten Jahren nimmt das Interesse an verschiedenen Formen des qualifizierten Individualtourismus mit unterschiedlichen Schwerpunkten zu: Landeskunde, Sport, Kultur, ethnische Traditionen, Alternativ-, Gesundheits-, Bildungstourismus, Religion, Pilgerfahrten und Öko- und Agrotourismus. Dieser Trend ist die Folge einer Revolution bei der Freizeitgestaltung und Reiseplanung im vergangenen Jahrzehnt. Laut Lubowiecki-Vikuk und Paczyńska-Jędrycka (2010) ist dies unter anderem auf die steigende Zahl der Singles, den immer höheren wirtschaftlichen Lebensstandard und die Veränderungen in Bezug auf Lebensstil und Lebensqualität im Rahmen der zunehmenden Mobilität der Gesellschaft zurückzuführen. Darüber hinaus verfügen immer mehr Menschen über eine umfassende Bildung und ein damit verbundenes Umweltbewusstsein, was sich ebenfalls auf die Urlaubsgestaltung auswirkt. Ein Tourist, der sich der negativen Effekte der Globalisierung bewusst ist, wählt mit höherer Wahrscheinlichkeit Formen der Freizeitgestaltung, die ihm Zufriedenheit verschaffen und die Möglichkeit zur Selbstrealisierung bieten. Der qualifizierte Individualtourismus erfordert zudem persönliche Fertigkeiten und Kenntnisse seitens des Reisenden und kommt dessen Wissensdurst, Entwicklungsbedürfnis und Wunsch nach geistiger und körperlicher Erneuerung entgegen (Gaworecki 1982). Diese Form des Reisens verbindet die Überwindung von Distanzen mit verschiedenen Arten körperlicher Aktivität, erfordert aber im Gegenzug auch eine bessere Vorbereitung (als im Falle eines herkömmlichen Touristen), Organisationsgeschick, den Umgang mit spezialisierter Ausrüstung, ein entsprechendes Allgemeinwissen und vor allem Eigenständigkeit (Ostrowski 1968, Kruczek 1997). Die Möglichkeit, diese Form von Tourismus zu betreiben, hängt jedoch eng mit der Verfügbarkeit der entsprechenden Infrastruktur, den Kommunikationsmöglichkeiten und dem Vorhandensein von Touristeninformationspunkten ab. Ein Individualtourist – auch Explorer oder gar Drifter (nach der Typologie von Cohen) genannt – ist fachkundig und reist aus Leidenschaft, hält sich an Umweltschutznormen, respektiert lokale kulturelle Gegebenheiten und verbindet eigene Aktivitäten mit dem umfassenden Kennenlernen der besuchten Region (Łobożewicz, Bińczyk 2001). Genau diese Gruppe von Reisenden ist Gegenstand dieses Artikels.

Der native Tourismus beschreibt den Erwerb von Wissen und Erfahrung durch Beobachtung und Teilnahme am Leben der lokalen Bevölkerung (u.a. Williams, Steward 1997). Diese Form des Reisens konzentriert sich also auf das Beobachten des Lebensstils der einheimischen Bevölkerung (McIntosh, Goeldner 1990), woraus Annahmen zufolge ein weiterer Trend entstanden ist – der ethnische Tourismus als Kombination aus Kultur- und Landschaftstourismus (King 1994). Laut Smith (1998) lässt sich der Begriff „nativer Tourismus“ durch „die 4 H’s des Tourismus“ beschreiben: (1) habitat – Lebensraum, (2) heritage – Tradition, (3) history – Geschichte, (4) handicraft – Handarbeit (Handwerk). Diese vier Elemente stellen die Bewertungsgrundlage für das Tourismuspotenzial der von indianischen Ureinwohnern bewohnte Gebiete im Südwesten der USA dar (Zeppel’s 1998). Aktuell wird der native Tourismus unter Reisefans mit Interesse an ungewöhnlichen Reisezielen immer beliebter, an deren Erkundung Einheimische beteiligt sind. Der native Tourismus spiegelt zudem die Ansichten von Wheller (1993) wider, der überzeugt ist, der Tourismus müsse langsam und in kontrollierter Weise von der lokalen Bevölkerung entwickelt werden, wobei auf ein begrenztes Ausmaß zu achten sei.

Bei der ideologischen Ausrichtung der modernen Tourismuswirtschaft sind die eingesetzten Mechanismen besonders bedeutsam. Die massenhafte Verbreitung von IT-Technik und insbesondere des Internets seit Ende des 20. Jahrhunderts ist zur Grundlage der Entwicklung des E-Tourismus geworden. Dieser bildet touristische Prozesse in digitaler Form ab, basiert überwiegend auf dem Informationsfluss (Buhalis 2003) und stellt ein hervorragendes Tool für die Reiseplanung dar.

Als Kombination von nativem Tourismus und E-Tourismus führt diese Abhandlung den Trend des nativen E-Tourismus ein. Das Ziel dieser Arbeit ist es, den Begriff des nativen E-Tourismus zu definieren und zu verbreiten. Die Idee hierzu hängt mit der Schaffung von Chancen auf einheitliche Entwicklungsbedingungen für Menschen in allen Gebieten der Erde mit Tourismuspotenzial zusammen, einschließlich Nischenbereichen. Deshalb hat dieser Text praktischen Charakter: das Hauptziel ist die Entwicklung von Tools für den nativen E-Tourismus in Form eines Internetportals und im Weiteren auch einer App für Smartphones.

Diesem Themenbereich kommt auch im Rahmen der Schaffung eines Gegengewichts zur Massentourismusbewegung große Bedeutung zu. So soll eine alternative Lösung gefunden werden, dank der ein System lokaler Verbindungen geschaffen wird, das nachhaltige Entwicklung möglich macht. Der Grundsatz nachhaltiger Entwicklung ist in zahlreichen Veröffentlichungen zu finden (z.B. Luc 2015), der nachhaltige Tourismus hingegen ist laut UNWTO (United Nations World Tourism Organization Network) ein Muss für die ausgeglichene Entfaltung der Entwicklungsländer. Deshalb ist es so wichtig, insbesondere in Entwicklungs- und entwicklungsschwachen Ländern mit großem Tourismuspotenzial und aktuell geringerem Einfluss der Globalisierung eine soziale, wirtschaftliche und umweltbezogene Integration zu anzustreben. In der Praxis bedeutet dies die direkte Kommunikation zwischen Dienstleister (im Falle des nativen Tourismus also der lokalen Bevölkerung) und Kunde (Reisender) sowie einen umfassenden Informationsaustausch über die gebotenen Leistungen.

Die Kombination der Ziele des nativen Tourismus mit unterstützenden IT-Tools stellt die Grundlage für die Entwicklung eines Internetportals dar, das den direkten Kontakt zwischen Reisenden und der lokalen (nativen) Bevölkerung – dem Anbieter lokaltypischer Leistungen – erleichtern soll.

Dadurch kann dieses Angebot einer großen Zahl von Individualtouristen und insbesondere allen an speziellen Offerten interessierten Reisewilligen zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus stellen die niedrigen Marketing-Kosten im Rahmen des Internet-Portals im Vergleich zu den Kosten für den Unterhalt eines Reisebüros und die traditionelle Kundenakquise einen wichtigen Konkurrenzvorteil für Agenturen in der Branche dar.

 

2.      Nativer E-Tourismus

Wie bereits angesprochen stellt der native Tourismus als Reisealternative auf Grundlage von Dienstleistungen der lokalen Bevölkerung einen Teilbereich des nachhaltigen Tourismus im weiteren Sinne dar. Die Anfänge des Konzepts sind im holistischen Weltbild des verantwortungsvollen Tourismus (engl. responsible tourism) von Hettner zu suchen, dessen Grundpfeiler Ideen wie die minimale Einwirkung auf die natürliche Umwelt, den Respekt für kulturelle Unterschiede, die maximale Beteiligung der lokalen Bevölkerung an der Erbringung von Dienstleistungen und die Steigerung der Zufriedenheit der Touristen Hunter, Green 1995, Hunter 1997, Stabler 1997, Butler 1999, Sherplay 2002, Kowalczyk 2011) darstellen. Allerdings wurden diese Ideen später durch wirtschaftliche Faktoren verdrängt, die zur Entwicklung des Massentourismus und der Globalisierung beigetragen haben. Im Ergebnis fand das Konzept des nativen Tourismus im Sinne des ursprünglichen Tourismus (engl. aboriginal tourism) keine allgemeine Verbreitung und beschränkte sich auf einzelne Länder (z.B. Kanada, Australien, USA (Alaska)).

Die vorgeschlagene Modifizierung des nativen Tourismus – nativer E-Tourismus – zielt auf die Rückkehr zu dem ursprünglichen Konzept ab und soll das Reisen durch die direkte Kontaktmöglichkeit mit lokalen Anbietern erleichtern und attraktiver gestalten. Unserer Überzeugung zufolge ist dieses Ziel nur über ein Internetportal zu erreichen. Demzufolge wurde mit ETNOS ein entsprechendes Portal entwickelt, dessen Funktionen im weiteren Teil dieses Artikels erläutert werden.

Der native E-Tourismus kann eine wichtige Rolle für die Entwicklungsökonomie auf regionaler und lokaler Ebene übernehmen. Zur Realisierung dieser Idee ist allerdings eine neue Herangehensweise an die Investitions- und Vermarktungspolitik der Region erforderlich, um Touristen anzulocken und für längere Zeit zu halten. Auf diese Weise entsteht ein Netzwerk gegenseitiger Abhängigkeiten, das teilweise aus den bereits vorhandenen Systemen zur Integrierung verschiedener Tourismusleistungen sowie aus weiteren Elementen besteht, wie z.B. ökologische Landwirtschaft, Handel und Transport. Wichtige Möglichkeiten schafft die Kombination unterschiedlicher Tourismusformen und die Erweiterung der vorhandenen Systeme durch neue Funktionen, die die neuen gesellschaftlich-wirtschaftlichen Bedingungen, die Nachfragetrends im Dienstleistungssektor und die Trends im Waren- und Dienstleistungsverkehr berücksichtigen (Czarnecki, Luc 2000). Es gibt bereits zahlreiche Beispiele für kombinierte Systeme im Bereich des nachhaltigen Tourismus, die unterschiedliche Umweltkomponenten nutzen. Eines davon ist die Einbindung der Gewässer in den regionalen Fremdenverkehr durch die Nutzung von Wasserwegen und den Ausbau der angrenzenden Infrastruktur (Czarnecki et al. 2007). Die Entwicklungschancen für die neuen Systeme steigen mit der wachsenden Beteiligung der lokalen Bevölkerung an der Nutzung dieses Potenzials sowie mit dem zunehmenden Interesse der Touristen. Neue Systeme können in Ländern entstehen, in denen die Wirtschaft die höchsten ökonomischen und organisatorischen Standards noch nicht erreicht hat. Auch der native E-Tourismus fügt sich in die Entwicklung von IT-Systemen dieser Art ein, die die Verbreitung von Informationen über Fremdenverkehrsangebote der lokalen Bevölkerung ermöglichen. Damit entstehen neue soziale und wirtschaftliche Chancen. Durch die umweltfreundliche Herangehensweise und die Sorge um das eigene Lebensumfeld bieten sich zudem neue Möglichkeiten im Bereich Umweltschutz. Das neue Internetportal, dem wir den Namen ETNOS gegeben haben, ermöglicht den direkten Kontakt zwischen dem Reisenden und den Dienstleistern zu Themen, wie Natur und Kultur beliebiger Regionen rund um den Globus und zum Lebensstil der lokalen Bevölkerung. Das Angebot richtet sich insbesondere an Fans von qualifiziertem Individualtourismus mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Der von uns neu formulierte Begriff des nativen Tourismus in der Form des nativen E-Tourismus knüpft an die Forderung des weltweiten Tourismusverbands an, der zufolge der Tourismus die aktuellen Bedürfnisse der Reiseregionen erfüllen sowie die Chancen zukünftiger Entwicklung verbessern soll (World Tourism Organization 1993: 7). Deshalb sehen wir eine große Bandbreite an Vorteilen durch die systematische Implementierung des nativen E-Tourismus. Unter anderem kann dieses Konzept dazu beitragen, den nachhaltigen Tourismus auf breiter Ebene bekannt zu machen. Darüber hinaus trägt die Nutzung von Online-Kommunikationskanälen zu einer deutlichen Kostensenkung seitens der Dienstleister bei (Büro, Infobroschüren und Prospekte – Druck- und Versandkosten), was den Anbietermarkt erweitert und gleichzeitig die Preise für den Endverbraucher senkt, vor allem aber die Möglichkeit eröffnet, einen räumlich unbeschränkten Markt zu erobern.

Die Nutzung des ETNOS-Portals zielt auf die Förderung des nativen Tourismus und in der Folge auf die Verbreitung des Konzepts des community-based tourism ab, der die Entwicklung des Unternehmertums in der lokalen Bevölkerung der Zielregion anstrebt (Beeton 2006). Damit soll zu einer nachhaltigen regionalen Entwicklung beigetragen werden. ETNOS ist zudem darauf ausgelegt, lokale Anbieter in den Zielländern direkt zu unterstützen und steht damit dem Fair Trade-Konzept (Nelson, Barry 2009) nahe. Fair Trade beruht auf der Förderung lokaler Kleinproduzenten (im Fall des nativen E-Tourismus Dienstleister) und entspricht der wirtschaftssoziologischen Überzeugung, wonach der Mensch wichtiger ist als der Gewinn. Das übergeordnete Ziel von Fair Trade ist die Bekämpfung der Armut in Afrika, Asien und Lateinamerika. In der Tourismusbranche findet dieser Trend in den Prämissen des Konzepts Pro-Poor Tourism (Spenceley, Meyer 2012, Mika 2014) Ausdruck – dieser Idee nach ist dieses Ziel erreichbar, indem Produzenten aus durch Globalisierungsprozesse benachteiligten Ländern gleichberechtigte Zugangschancen zu den Märkten reicher Länder gewährt werden. Übersetzt man die Sprache des Fair Trade-Konzepts in die Denkweise des nachhaltigen Tourismus, lässt sich sagen, dass das Ziel im Aufbau langfristiger Beziehungen zwischen Dienstleister und Kunden besteht, bei gleichzeitiger Achtung und Sorge um Menschen und Umwelt (Cleverdon, Kalisch 2000). Dies erfordert ein wachsendes Bewusstsein für die Situation von Herstellern und Händlern in ärmeren Ländern sowie den Schutz von Rechten von Frauen, Kindern und Einheimischen. Ebenso wichtig ist die Achtung der lokalen Umwelt, von der die einheimische Bevölkerung abhängig ist, indem Mittel zur Verfügung gestellt und Chancen zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen geschaffen werden.

An dieser Stelle ist auch zu erwähnen, dass sich der Begriff nativer E-Tourismus teilweise mit dem Konzept des langsamen Reisens eng. slow travel, slow tourism) deckt. Laut Dickinson und Lumsdom (2010) umfasst Slow Travel Wander- Rad- und Wassertourismus, bezieht sich aber auch Zug- und Busreisen mit ein. Slow Tourism hingegen verkörpert mehr eine Reisephilosophie als eine konkrete Form – hierbei handelt es sich um eine soziale Bewegung, die die Entschleunigung der Feriengestaltung propagiert, ganz nach dem Motto „besser genauer als mehr“. Das Manifest des langsamen Reisens (Slow travel manifesto for tourists - http://www.hiddeneurope.co.uk/a-manifesto-for-slow-travel) stimmt in mehreren Punkten mit der Idee des nativen E-Tourismus überein. Insbesondere wird hier empfohlen, eine für die jeweilige kulturelle Region typische Unterbringungs- und Verpflegungsart zu wählen und entsprechend zu reisen, um die Natur und das Kulturerbe der Zielregion bestmöglich kennenlernen zu können (Dickinson et al 2010b).

Das vorgeschlagene System des nativen E-Tourismus stellt eine integrierte Herangehensweise dar, die die Bedeutung der Bevölkerung in wirtschaftlich schlechter gestellten Ländern im Rahmen der breit geförderten nachhaltigen Entwicklung stärkt. Das Konzept ermöglicht ein besseres Verständnis für die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und umweltbezogenen Probleme dieser Regionen durch die restliche Weltbevölkerung. In diesem Sinne bildet der native E-Tourismus eine Antithese zur Globalisierung und propagiert das bewusste und individuelle Reisen auf Basis direkter Kontakte mit Einheimischen und kleinen lokalen Unternehmen mit begrenztem Profil, anstatt der Inanspruchnahme von Vermittlungsleistungen großer Firmen und Reisebüros. Der Gegenpol zum Massentourismus steigert das Engagement des Reisenden bei der Entdeckung des Ziellands durch direkte Kontakte – so wird in gewissem Sinne Verantwortung für die nachhaltige Entwicklung der Erde übernommen.

 

3.      Das ETNOS-Portal und seine Rolle bei der Propagierung des nativen E-Tourismus

 

Den Kern des E-Tourismus bilden IT-Tools im weiteren Sinne. Deshalb nutzen wir zur Propagierung der Idee des nativen E-Tourismus ein fachspezifisches Internetportal, das sich aktuell in der Testphase befindet (www.etnos-global.com). Wie bereits oben dargelegt, wurde das Portal im Zuge der Implementierung einer systematischen Lösung für die Tourismusbranche entwickelt, um die Kommunikation von Anbietern von Touristikleistungen mit interessierten Kunden zu ermöglichen. Das Portal ist das Ergebnis von Arbeiten im Rahmen des Projekts E-Tourism Native Open Services (ETNOS) entstanden – nativer E-Tourismus im Rahmen offener (d.h. kostenloser) Leistungen der lokalen Bevölkerung für Individualtouristen.

Der Begriff Ethnie stammt aus dem Griechischen und lässt sich als Volk, Stamm oder Nation übersetzen. Aktuell wird unter Ethnie eine abgegrenzte Menschengruppe mit eigenem Herkunftsbewusstsein, einer gemeinsamen Kultur und einem Gemeinschaftsgefühl verstanden.

Das Konzept des ETNOS-Portals sieht den Aufbau einer Datenbank von Anbietern von Touristikleistungen aus der ganzen Welt sowie die Bereitstellung der entsprechenden Kontaktdaten an beliebige Personen/Kunden vor. Darüber hinaus erhält der Kunde eine detaillierte Beschreibung der gebotenen Leistung und hat Zugriff auf die Bewertungen des Dienstleisters (Rating) durch andere Nutzer des Portals. Als Anbieter von Touristikleistungen gelten Firmen und Einzelpersonen aus der ganzen Welt, die branchenbezogene Dienstleistungen anbieten. Um das Portal für eine größtmögliche Zahl von Nutzern verfügbar zu machen, werden die Informationen in mehreren Sprachen zur Verfügung gestellt. Zudem dient das Portal als soziales Netzwerk und ist mit Facebook, Twitter, Google+ und Pinterest verlinkt, um die potenzielle Zielgruppe zu erweitern.

Auf dem Portal können kostenlos Daten zu Anbietern von Touristikleistungen aus aller Welt veröffentlicht werden. Deshalb wurde das Portal einerseits an die Bedürfnisse der Anbieter solcher Leistungen angepasst, andererseits aber auch auf die Bedürfnisse von Kunden auf der Suche nach lokalen Angeboten ausgelegt. Angebote können sowohl von kleinen, lokalen Firmen, als auch von Privatpersonen und Non-Profit-Organisationen eingestellt werden. Ein Anbieter meldet sich auf dem Portal an und kann seine Offerte dann unter verschiedenen Reisekategorien einstellen. Alle Kategorien sind der Idee des nativen Tourismus angepasst und umfassen folgende Aktivitäten: (1) Aktiv-Erholung, (2) Fremdenführer und Reiseleiter, (3) Unterkunft, (4) Bildung und Freiwilligendienste, (5) Work & Travel, (6) Gastronomie, (7) Extremsportarten, (8) Transport (einschließlich Mietwagen), (9) Verleih von Touristikzubehör.

Da die Veröffentlichung von Reiseberichten im Internet immer beliebter wird, bietet auch das ETNOS-Portal die Möglichkeit, eigene Eindrücke und Erfahrungen in Form eines Blogs niederzuschreiben. Reiseberichte können zudem auf der Hauptseite des Portals als Routenvorschläge für Unentschlossene veröffentlicht werden. Darüber hinaus stellen Einheimische Beschreibungen von Sehenswürdigkeiten und Dienstleistungen in weniger bekannten Reiseregionen ein (sogenannte bio- and geodiversity in tourism).

Das ETNOS-Portal ist nicht das einzige Touristikportal im Internet. Ähnliche, wenn auch deutlich beschränktere Kontaktmöglichkeiten zwischen Dienstleistern und Reisenden sind auch auf anderen Internetportalen verfügbar. Als Beispiel können hier die Portale www.airbnb.com (Unterkunftssuche direkt bei örtlichen Privatanbietern in der Zielregion) und www.lookals.com (direkter Kontakt mit lokalen Anbietern von Touristikleistungen ausschließlich in Italien) dienen. Weitere ähnliche Seiten sind u.a. www.likealocalguide.com; www.spottedbylocals.com und www.tripbod.com.

Auf Internetportalen, die die Idee des nativen E-Tourismus propagieren, sollte ein Verhaltenskodex gelten. ETNOS ist ein Portal für weltoffene Menschen mit Interesse an fremden Kulturen – deshalb sind rassistische und diskriminierende Äußerungen über die einheimische Bevölkerung im Reiseland bzw. der Zielregion nicht zulässig. Unzulässig sind zudem Kommentare über kontroverse politische Themen. Alle auf dem Portal veröffentlichten Meinungen sollten der Wahrheit entsprechen und hinsichtlich Form und Inhalt mit den ethischen Grundsätzen konform sein. ETNOS ist ein Portal für alle Touristikanbieter, die entsprechend gleichgestellt werden – unabhängig von Größe, Umsatz und Reichweite. Das Projekt zielt darauf ab, eine größtmögliche Bandbreite der online abgewickelten Tourismuswirtschaft abzudecken und damit Individualreisende bei der Reiseplanung (je nach persönlichen Vorlieben) zu den gewählten Zielen nach Maßgabe der individuellen Bedürfnisse bestmöglich zu unterstützen.

 ETNOS verbindet durch das Konzept des E-Tourismus nachhaltige, langsame, native und ethnische Reiseformen. Die Webseite propagiert die Idee des nachhaltigen Tourismus (sustainable tourism) als Vorgehensweise zum Umgang mit der Umwelt nach Maßgabe von Ökologie und nachhaltiger Entwicklung, die Idee des nativen Tourismus (native tourism) als Vorgehensweise im Rahmen der individuellen, qualifizierten Erkundung des Lebensstils der Einheimischen im Reiseland (ethnic tourism) – und all dies in entschleunigter Weise (slow tourism) und auf Grundlage von direktem Kontakt zwischen Dienstleister und Kunde.

 

4.      Zusammenfassung

 

Weltweit läuft die Suche nach unterschiedlichen Lösungen zur Entwicklung von Systemen für die Tourismusbranche auf Basis nachhaltiger ökologischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Faktoren. Die Idee des nachhaltigen Tourismus unter Nutzung des Potenzials der lokalen Bevölkerung und der Naturvielfalt vor Ort in der Region ohne Schädigung einzelner Elemente hat noch immer Nischencharakter. Innerhalb dieses Trends wurde das Projekt ETNOS entwickelt, das auf der Idee des nachhaltigen, langsamen und nativen Tourismus basiert. Mit Hilfe eines Internetportals möchten wir lokale Tourismusinitiativen unterstützen und den Bedürfnissen einer bestimmten Gruppe von Reisewilligen mit Interesse an individueller Natur- und Kulturerfahrung in der Reiseregion gerecht werden. Die ständige Entwicklung und immer größere Verfügbarkeit von IT-Technologien erweitert die Anwendungsmöglichkeiten dieser Tools im Bereich des qualifizierten Individualtourismus – und insbesondere des nativen E-Tourismus – laufend. Die Autoren dieses Artikels zählen darauf, mit dem Portal ETNOS das Interesse von Dienstleistern und Reisenden gleichermaßen zu wecken, um beide Gruppen bei der Realisierung ihrer Pläne und Bedürfnisse zu unterstützen.

 

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